Faszination Stein

Faszination Stein

Am Anfang war der Stein – Faszination seit Menschengedenken

Steine, besonders die Schönheit und scheinbare Vollkommenheit von Edelsteinen regt die Fantasie der Menschen seit jeher an: 

Edelsteine waren Sterne, die auf mesopotamische Erde gefallen waren, sie waren an den Bäumen des babylonischen Göttergartens gewachsen und entstanden aus dem Blut des griechischen Gottes Uranus. Die Materialen und Gesteine umweht bis heute ein gewisser Zauber, dessen Charme man sich nur schwer widersetzen kann. Und, warum sollte man auch? 

  • Werkzeug, Schmuck und Wertobjekt 

Erste Zeugnisse für den Gebrauch von Steinen als Werkzeug gehen in die Altsteinzeit zurück. Zum Kunstobjekt erhoben, wurden sie nachweislich in der Jungsteinzeit: Weiche Materialien wie Kalkstein, Bernstein oder der matt glänzende, schwarze Gagat wurden geschnitten und geschabt, geschliffen und poliert. Tierdarstellungen oder einfach die Betonung der natürlichen Form des Steins überwiegen. 

So wie allen auffälligen und unerklärlichen Naturphänomenen wurden auch ungewöhnlichen Steinen außerordentliche Kräfte zugesprochen. Als die Menschen, der Jungsteinzeit damit begannen sesshaft zu werden, entwickelten sich die ersten Formen von Handel. Schmucksteine galten bald als begehrtes Tauschobjekt. Die Wertschätzung bestimmter Gesteine und Mineralien lässt sich auch aus ihrer Rolle im Totenkult ablesen: In Gräbern der Jungsteinzeit wurden bisher Grabbeigaben aus zehn verschiedenen Materialen gefunden. 

 

Dämonen, Götter und Talismane 

Jahrtausende lang waren die Menschen, den Kräften der Natur machtlos ausgeliefert. Je weniger über Ursachen und Zusammenhänge bekannt war, desto mehr fürchteten sie sich vor Göttern und Dämonen. Mit Schutzzaubern und Beschwörungen versuchte man „das Böse“ zu bannen. Wobei hier Edelsteine, wie Amethyst, Bernstein, Lapislazuli, Perlen und Smaragd, die zu Amuletten oder Talismane verarbeitet wurden, eine tragende Rolle spielten. Mithilfe der Steine waren wissende Menschen in der Lage, eine Verbindung zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt herzustellen. Anwendungen schutzzauberischer Mittel finden sich in den verschiedensten Kulturstufen bei nahezu allen Völkern. 

Der Geschichtsschreiber Heredot erwähnt in diesem Zusammenhang die Ägypter, die er nicht nur als das älteste Volk der Erde bezeichnet, sondern auch, dass der Magie am nächsten stehende. Edelsteine, allen voran der Amethyst, der grüne Feldspat, Jaspis, Karneol, Lapislazuli oder der Opal wurden in Ägypten als Amulett getragen. Diese Anhänger, meist in der Form eines Skarabäus, des heiligen Pillendrehers, gelten bis heute als Glücksbringer. Der Käfer gilt als Symbol der Wiedergeburt, Schöpfung und Unsterblichkeit. Wertvolle Skarabäen aus Edelsteinen wurden als Grabbeigaben, zum Schutze der Toten im jenseits, nicht nur in Ägypten, verwendet. 

  • Amulett und Talisman 

Unter einem Amulett versteht man einen kleinen, als Anhänger getragenen Gegenstand, der Glück bringen und vor Gefahr schützen soll. Seine Aufgabe ist es „böse Kräfte“ abzuwehren. 

Ein Talisman hingegen bringt Glück, da er die „guten Kräfte“ anziehen soll. Besonders beliebt als Talisman ist seit jeher die Form des Rings, in den Edelsteine eingefasst werden. Wegen seiner vollkommenen Geschlossenheit gilt bereits der Ring als magisch. In seiner Form werden Zauberkräfte gebannt, die durch die Edelsteine gesteigert werden.

 

Steine für Gott und die Welt

 

Die Edelsteine, die wir heute als archäologische Fundstücke bewundern, signalisieren jedoch nicht nur Mythen und Magie, sondern auch Macht, Eitelkeit und Reichtum. Unter den Pharaonen wurden auch Kalkstein, Steatit oder Aragonit zu Kunstwerken verarbeitet. Zur Zeit des großen Pharos Tutanchamun brachten die Ägypter die Kunst der Intarsienararbeiten zu Vollendung. Aus verschiedenen kleinen Edelsteinen bildete man ein größeres Dekor, wobei jeder einzelne Stein mit Golddraht umrahmt wurde. Das Land der Pharaonen gilt als größtes und ältestes Bergbauland. Auf Felsen fand man Zeichnungen von Arbeitern die Edelmetalle und Malachit abwiegen, Erze schmelzen und Steine schleifen.

  • Erwähnungen in der Bibel 

Auch in der Heiligen Schrift findet man zahlreiche Hinweise auf Edelsteine. Die Christen sahen in dem kostbaren Gut, die „Grundlage des Gesunden und des Himmlischen“, und so war das Tragen der schmückenden Mineralien erlaubt, sofern keine abergläubischen Bräuche oder Zauberei damit verbunden war. In der Bibel spielen Edelsteine vor allem aus spirituellen Gründen eine Rolle. Jedem Mineral sind bestimmte Eigenschaften zugeordnet, die es mit seinem göttlichen Ursprung verbinden. In seinem schönen Aussehen spiegelt der Edelstein den Glanz des göttlichen Wesens wieder. In diesem Sinne beschreibt der Prophet Hesekiel eine seiner Visionen: „Du weiltest im Eden, im Gottesgarten. Lauter Edelsteine waren dein Kleid: Karneol, Topas und Jaspis, Chrysolith, Beryll und Onyx, Saphir, Rubin und Smaragd. Deine Fassung und deine Verzierung waren aus Gold. Sie wurden erschaffen am Tag, da du erschaffen warst. Du warst auf dem heiligen Gottesberg und ergingst dich inmitten feuriger Steine.“

  • Sakrale Kunstwerke im reichen Schmuck

Das drei Königsfest am 6. Jänner war traditionell der Tag, an dem in christlichen Gotteshäusern Edelsteine, egal ob im Alltag oder kirchlich genutzt, geweiht wurden. 

Reliquien und Heiligenbilder schmückten die Künstler ebenso wie rituelle Gegenstände mit teuren Steinen. Ringe und andere persönliche Gegenstände wurden kirchlich geweiht und durften anschließend auch als Schutzmittel vor „dem Bösen“ getragen werden. Es dauerte nicht lange und Kleidung, Zölibatringe und Abendmahlkelche wurden mit prachtvollen Steinen verziert. Rituelle Gegenstände, wie die Einbände der vier Evangelien, werden mit Gold und Edelsteinen verziert. Für Ringe werden bis heute Topas und Saphir verwendet. Für Bischöfe, kommt, wegen seiner violetten Farbe, der Amethyst zum Einsatz. 

Ab dem zwölften Jahrhundert dominierten in der Liturgie die Farben Weiß, Rot, Grün und Schwarz. Später kamen Violett, Gold und Rosa hinzu. Dies wirkte sich auf die Verwendung von Edelsteinen in der sakralen Kunst aus, die sich fort an dieser Mode unterwarf. Kreuze, die beim Einzug, von Kaisern, Königen und hohen Würdenträgern in die Kirche vorneweg getragen wurden, wurden prachtvoll und reich geschmückt. Edelsteine wurden auch zur Verzierung von Reliquiaren verwendet, jenen prächtigen Behältnissen, die Überreste von Heiligen, wie zum Beispiel ein Gewandstück, den Splitter eines Knochens oder Haare, beinhalten. Um die weltliche Herrschaft und den göttlichen Auftrag zu unterstreichen, verzierte man im Mittelalter sowohl der Reichsheiligtümer (Evangeliare, Reliquiare, heilige Lanze) als auch der Reichsinsignien (Krone, Zepter, Apfel, Schwert) mit edlen Steinen. Praktischerweise sollten die Steine gleichzeitig ihre Träger vor „bösen Kräften“ schützen.

  • Das Buch Moose und die Apokalypse 

Eine aufschlussreiche Erwähnung der Bedeutung von Edelsteinen in der Bibel findet sich im Buch Moose. Hier ist die Rede vom Brustschild des hohen Priesters, in dem sich zwölf in Gold eingefasste Steine befanden. Sie waren in vier Reihen zu je drei Steinen angeordnet und repräsentierten die zwölf Stämme Israels. Die Zahl 12 steht für Vollkommenheit und Harmonie; sie ist eine heilige Zahl. Die Edelsteine aus dem Brustschild ordnete man als „Apostelsteine“ den zwölf Aposteln zu.

Josephus von Scythopolis (286-356 n. Chr.) schrieb den Edelsteinen am Gewand des Hohepriesters Zauberkräfte zu. In seiner Darstellung ersetzte er den Spinell durch Hyazinth. „Der Jaspis wehrt den Ehebruch; der Saphier ist ein Schönheitsmittel für die  Augen, macht sie funkelig; der Achat verleiht Nüchternheit; der Smaragd vertreibt Dämonen; der Sardonyx macht durch und durch glühend; der Chrysolith heilt die Augen; der Beryll ist Heilmittel gegen die Traurigkeit; der Topas, Hyazinth, Amethyst wehrt die Trunkenheit.“

  • Die Apostelsteine 

Sardonyx (lateinischer Namen: Sardius)

Petrus

Topas

Andreas

Smaragd

Jakobus der Ältere

Spinell (lateinischer Name Carbunkulus)

Johannes

Saphier

Thomas

Yaspis

 Jakobus der Jüngere

Bernstein (lateinischer Name Ligurius)

Philippus

Achat

Bartholomäus

Amethyst

Matthäus

Chrysolith

Simon

Onyx

Thaddäus

Beryll

Matthias

  • Die Vision vom himmlischen Jerusalem

Dass die Edelsteine in der Bibel eine große Rolle spielen, erkennt man auch in der Johannes Offenbarung. So lautet die Vision vom himmlischen Jerusalem: „Die Mauer war aus Jaspis und die Stadt selbst aus lauterem Gold so rein wie Glas. Die Grundmauern waren mit allerlei Edelsteinen geziert: Der erste Grundstein war aus Jaspis, der zweite ein Saphier, der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sardis, der siebte ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. Die zwölf Tore waren zwölf Perlen, jedes Tor war eine Perle. Die Straßen der Stadt waren reines Gold wie durchsichtiges Glas.“ (Offenbarung 21,18-21).

Die von Johannes aufgezählten Steine blieben bis ins Mittelalter hinein die bedeutendsten Schutz– und Heilsteine. Die auch die Wiener Reichskrone schmücken, da diese so direkt auf das Haupt des Kaisers einwirken konnten.

 

Die besondere Kraft der Zahl Zwölf.

 

Edelsteine sind in vielen alten Quellen an die symbolischen Bedeutungszusammenhänge der Zahlenmystik gebunden. Die Zahl 12 galt schon im alten Orient als Zahl der Vollständigkeit und Heiligkeit, die mit der Einteilung von zwölf Tages – und zwölf Nachstunden sowie den zwölf Monaten des Jahres den Ablauf der Zeit repräsentiert. In der Astrologie finden sich zwölf Tierkreisbilder, die Sternzeichen, im Sternenhimmel. Die Religionsgeschichte kennt die zwölf Söhne Jakobs und die zwölf Stämme Israels. Jerusalem verfügt über zwölf Tore und die zwölf Apostel spielen eine tragende Rolle. Zwölf ist die Zahl der Nachkommenschaft und Erwählung. Verweise bzw. Bezüge werden nicht zufällig gewählt, sondern betonen und vermehren den Bedeutungshintergrund des Gegenstandes. Die zwölf Edelsteine Jerusalems und die am Brustschild des Hohenpriesters angebrachten zwölf Steine, stellen über die zwölf Tierkreiszeichen, einen Bezug zum Sternenhimmel und Kosmos her.

Im Licht der Wissenschaft

  • So kommen die Steine ins Rollen

Wie sind Steine überhaupt entstanden? Das ist eine Frage, die wir angesichts der Vielfalt, in der Steine und Mineralien unser Leben begleiten, leicht vergessen. Und wer ein Ölgemälde betrachtet, wird sich kaum bewusst machen, dass die Farbpigmente der Ölfarben mineralischen Ursprung sind.

Ebenso wenig, wie beim Blick auf die Quarzuhr der Gedanke aufkommt, dass es sich bei ihrem Schrittmacher um ein Mineral handelt. Beispiele solcher Art ließen sich noch endlos aufführen, da uns im täglichen Leben eine enorme Fülle an mineralischen Stoffen begegnet. Die Welt auf der wir leben, besteht aus Gestein.

  • Der Schalenbau der Erde

Woher die Steine kommen, ist mit einem Satz gesagt: sie stammen vornehmlich aus der Erdkruste. Und dieser Erdschicht gilt nun auch unsere Aufmerksamkeit, um die Gesteinsbildung genauer unter die Lupe zu nehmen. Unser Planet, neuesten wissenschaftlichen Schätzungen zufolge war rund 19.000 Millionen (5-6 Milliarden?) Jahren durch Verdichtung kosmischen Staubs aus dem Umfeld der Sonne entstanden, gliedert sich in drei Schichten: Erdkruste, Erdmantel und Erdkern. Im Entstehungsprozess ordnen sich die verschiedenen Elemente aufgrund ihres unterschiedlichen Gewichts konzentrisch um den Erdmittelpunkt an. So bildete sich der  schalenartige Aufbau der Erdschichten heraus, und damit das Grundmuster des Erdaufbaus, wie er bis heute geblieben ist. Schwere Elemente, allen voran Eisen und Nickel, verdichteten sich im Erdmittelpunkt zum Erzkern – dem Innersten unseres Planeten. Die leichteren Elemente, wie z.B. Silizium, trieben oben auf und bildeten im Verlauf der nächsten Jahrmillionen die Erdkruste.

Der genaue Ablauf dieses Geschehens allerdings, vor allem dessen zeitliche Abfolge, ist in wissenschaftlichen Kreisen nach wie vor strittig. Einigkeit herrscht jedoch in dem Punkt, dass sich in der Erdfrühzeit vor rund 4000 Millionen Jahren, also im Präkambrium, die Erdkruste abzukühlen begann. Es dauerte jedoch ungefähr 1500 Millionen Jahre, bis sich die ersten Kontinentalplatten bildeten. Und das in der zum Großteil, bis heute bestehenden Form.

  • Die Zusammensetzung der Erdkruste

Das häufigster Element in der Erdkruste ist Sauerstoff, der hier allerdings nur an andere Atome gebunden vorkommt. In Form eines reinen Elements würde er als Gas O2 in die Atmosphäre entweichen. Dieser gebundene Sauerstoff beansprucht rund die Hälfte des Gewichtsanteils an der Erdkruste. Auf der Rangliste folgt ihm das Element Silizium mit einem Gewichtsanteil von etwa einem Viertel. Sauerstoff und Silizium verbinden sich zum häufigsten Mineral der Erdkruste, zum Siliziumdioxid (SiO2) – in seiner reinen Form kennen wir diese als Bergkristall, Kieselsäure und Quarz. Das letzte Viertel der Erdkrustenmasse verteilt sich auf die Metalle Aluminium (8 %) und Eisen (5 %), die Alkali Metalle Kalium, Kalzium und Natrium (jeweils 3 %) und Magnesium (2 %). Die restlichen Elemente teilen sich den Massenanteil von rund 1 %.

  • Grundbausteine von Mineralien und Gesteine

Silizium und Sauerstoff sind in ihrer Verbindung Siliziumdioxid (SiO2) Grundbaustein zahlloser Mineralien. In die Kristallgitter dieser Mineralien werden die metallischen Elemente wie Aluminium und Eisen eingebaut. Diese Metalle sind häufig in Feldspäten sowie als Bestandteil der Tonmineralien in den Böden zu finden. Die darin gebundenen Spurenelemente und ihre wasserspeichernden Eigenschaften spielen für das Gedeihen der Pflanzen eine große Rolle. Verbinden sich die Metalle der Erdkruste mit Sauerstoff, spielen sie als oxidische Erze eine wichtige Rolle. Beispiele sind das Eisenerz Hämatit (Fe2O3) oder das Aluminiumerz Bauxit (AIO (OH)).

Bei Abwesenheit von Sauerstoff nehmen die Metalle andere Wege. Ein Beispiel ist das Mineral Pyrit bzw. Eisenkies (FeS2). Wenn in sauerstoffarmen, fossilen Schlammablagerungen, ein vulkanischer Prozess stattfindet, verbinden sich Eisen und Schwefel, mithilfe von Schwefelbakterien, zu Pyrit. Die weltweit größten Eisenerzvorkommen finden sich in Pyritlagerstätten.

Kalzium findet sich in größerem Umfang unter anderem in Kalkgestein, in Dolomit und in Gipsablagerungen. Ebenso wie die Kieselsäure entdeckt man Kalzium auch in abgelagerten Kalkgesteinen fossilen Ursprung. Das berühmteste Beispiel dafür sind sicher die Schreibkreidefelsen der Insel Rügen, deren Hauptbestandteil, die kalkhaltigen Gehäusereste von einzelligen Kleinstlebewesen, ist. Dolomit enthält neben Kalzium auch Magnesium. Ganze Gebirgsmassive sind aus kalkigen Meeressedimenten entstanden. Zu denen, wie schon ihr Name verrät, die Dolomiten in Südtirol gehören. Kalzium findet sich in großen Mengen auch in Gips ((CaSo4) nH2O). Ausgetrocknete Salzseen und Lagunen hinterlassen riesige, aus Gips bestehende, Wüsten. Große Mengen von Gips und Anhydrit (CaSO4) finden sich in Ablagerungen aus dem Term und der Trias. Gips als Mineral bildet wunderschöne Kristallformen, wie etwa die bekannte Wüsten- oder Sandrose.

  • Kontinentaldrift: wie Gebirge und Vulkane entstanden

Die Bewegung der Kontinentalplatten, die so genannte Kontinentaldrift, beruht vor allem auf vertikalen Rotationsströmungen im Bereich des oberen Erdmantels. Zum Erdmittelpunkt hin wird es immer wärmer. Dort entstehen zähflüssige Schmelzen, die in die oberen Bereiche des Erdmantels aufsteigen. In der Asthenosphäre angelangt, kühlen die Gesteinsmassen ab und sinken wieder nach unten, wo sie erneut erwärmt werden und aufsteigen. Kurz, der Kreislauf beginnt wieder von neuem.

Laufen nun zwei benachbarte Materialströmungen in entgegengesetzte Richtungen – die eine hoch zum Erdmantel, die andere hinunter zum Erdkern –, so werden die Kontinentalplatten des festen Erdmantels und der Erdkruste auseinander gedrückt. Vorwiegend dort, wo bereits Risse vorhanden sind. In die entstehenden Spalten, dringt unter hohem Druck, flüssige Lava aus dem Erinnern ein und ergießt sich auf die Erdoberfläche. Meist geschieht das in der den Ozeanen, im Bereich der ozeanischen Schwellen und Tiefseegräben.

Ein Beispiel für diese Prozesse ist der mittelatlantische Rücken, der den gesamten Atlantischen Ozean von Island bis in die Höhe der äußersten Spitzen Südamerikas und Afrikas teilt. Sein wellenförmiger Verlauf stimmt mit den Küstenlinien der beiden angrenzenden Kontinente überein. Es scheint logisch, dass diese ozeanische Grenze auch die zwischen der südamerikanischen und afrikanischen Kontinentalplatte darstellt. Hier schiebt austretendes heißes Magma, die ozeanischen Platten auseinander und drückt sie unter oder über die Landmasse der Kontinentalgrenze.

  • Dynamik über Jahrtausende

Die auseinanderdriftenden Schollen stoßen in ihre (Jahrtausende andauernden) Bewegung auf benachbarte Platten. Beim Aufprall werden die Platten entweder über – oder untereinander geschoben. Die überlagernden Sedimente werden gestaucht und aufgefaltet – es entstehen Kettengebirge oder Inselbögen. Die Gesteinsmassen

der nach unten ausweichenden Platte werden in tiefer gelegene, heißeren Bereichen des Erdmantels erneut auf geschmolzen. An dieser Stelle schließt sich der Kreislauf vom entstehen und vergehen der festen Oberfläche unseres Planeten.

Ein faszinierender Gedanke: Mehr als 129 Steine, die zu Heil- oder auch Schutzzwecken verwendet werden, setzen sich aus nicht mehr als acht Grundbausteinen zusammen.

  • Der Boden auf dem wir wandeln bzw. eine Reise ins Erdinnere

Die Erdkruste, in etwa mit unserer Haut zu vergleichen, besteht aus einer ca. 35km dicken Granitschicht und einer darunter liegenden Basaltschicht. Wobei magmatisches, siliziumreiches Gestein, den oberen Teil der Erdkruste durchsetzt.

In 35 km Tiefe geht die Erdkruste in den zähflüssig Erdmantel über. Dieser reicht bis in eine Tiefe von 2800 km ins Erdinnere und besteht aus einer dunklen, basischen Schmelze mit gesteinsbildenden Mineralien wie Olivien und Pyroxenen. Die genaue chemische Zusammensetzung des Erdmantels ist umstritten. Durch Messungen ist jedoch bekannt, dass der Anteil basischer Bestandteile innerhalb des Erdmantels zum Erdinneren hin zunimmt.

Die Grenze zum Erdkern markiert die so genannte Gutenberg – Wichert – Diskontinuität. Nur der äußere Bereich des Erdkerns ist bis zu einer Tiefe von etwa 5000 km flüssig. Der innere Kernbereich ist hingegen fest. Früher ging man davon aus, dass der Erdkern aus Eisen und Nickel bestünde. Heute gemessene Werte bezüglich der Dichte des Erdkerns, lassen darauf schließen, dass sich im Erzkern auch leichtere Elemente befinden.

  • Exkurs in die Plattentektonik

Wie hat die Oberfläche der Erde eigentlich ihre Gestalt erhalten? Wie sind Gebirge und Ozeane entstanden? Bei der Beantwortung dieser Frage darf ein Wissenschaftler nicht ungenannt bleiben: der deutsche Geo Physiker Alfred Wegener. Er veröffentlichte 1913 in seinem Werk „Von der Entstehung der Kontinente und Ozeane“ eine Abhandlung über die Bewegung der auf dem flüssigen Bereich des Erdmantel schwimmenden Kontinentalplatten. Erst 1968 wurde die Weiterentwicklung dieser Hypothesen der Begriff „Plattentektonik“ eingeführt. Wegener ging davon aus, dass sich die Kontinentalplatten auf einer zähflüssigen Masse, im Inneren des Erdmantels bewegen. Diese Schichte wird heute als Asthenosphäre (https://de.wikipedia.org/wiki/Asthenosphäre)  bzw. Low Velocity Zone bezeichnet. Laut Wegener, steckt hinter dieser Bewegung die Erdrotation. Sie wirke über die damit verbundene Fliehkraft auf die Gesteinsmassen sowie die Anziehungskraft des Mondes auf Gesteine und Ozeane.

Einige von Wegeners Thesen haben neue Forschungen widerlegt oder anders formuliert. Aus der Plattentektonik wurde die „Neue Globaltektonik“. Wenn auch längst nicht alle geophysikalischen Erscheinungen durch sie zu erklären sind, kann die Globaltektonik heute doch zumindest die wichtigsten Fragen zur Geologie, zu den Vorgängen in der Erde und der Bewegung der Erdkruste beantworten.

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