Susanne Reither

Gute Laune, schlechte Laune

Gute Laune, schlechte Laune – auch Spaß muss sein. Eine Betrachtung mit Humor und Augenzwinkern.

Das hässliche Entlein hat rund um die Uhr schlechte Laune. Was ihm durchaus zusteht. Nicht weil es anders aussieht, sondern weil alle gemein zu ihm sind. Unsere Laune widerspricht auch oft dem gängigen Schönheitsideal. Was? Laune, Schönheitsideal? Ja, es heißt doch immer, dass nichts so schön macht wie ein Lächeln. Alles andere bringt vielleicht andere zum Lächeln.

Der Wolf versucht die sieben Geißlein dazu zu bringen ihm die Tür zu öffnen. Ich bin mir sicher, dass den großen bösen Wolf die hohe Stimme zwar zum Ziel gebracht hat, aber wie blöd hätte er aus der Wäsche geschaut, zur Begeisterung aller anderen, wenn ihm die Stimme geblieben wäre, für die er so brav Kreide gegessen hat.
Ich habe das mit dem Kreideessen übrigens ausprobiert. Als Kind wollte ich wissen, wie so eine Kreidestimme klingt. Es war eine Enttäuschung. Ich klang nicht wie meine Mutter. Auch nicht wie die Mutter meiner Mutter. Meine Mutter klang manchmal wie die Mutter der Geißlein: „Mach ja keinem Fremden die Türe auf“. Den Satz kennen wahrscheinlich die Meisten.
Ob die Stimme des Wolfes wieder tief geworden wäre, wissen wir nicht, weil er gierig war. Zuerst happs happs die Geißlein geschluckt und dann wollte er den halben Fluss aus saufen und plumps plumps landet er im Wasser. Da hatte er dann garantiert schlechte Laune. So schnell kann es gehen. Da wird aus einem Sieg, aus guter Laune, schlechte. Des einen Freud des andren Leid. Hätte das pelzige Tier so gut schwimmen können wie das ex hässliche Entlein, dann wäre er nicht abgesoffen, aber so. Manchmal muss man schlechte Laune ertränken.

Wer oben auf ist, hat meistens gute Laune und die ist ansteckend. Wie sich alle über den schönen Schwan freuen? Er sicher am allermeisten und die anderen freuen sich einfach mit. Wir Menschen lieben Übertreibungen, die machen gute Laune. Zuerst hat der, der übertreibt gute Laune, dann die Zuseher wenn es über die Maßen schiefgeht. Der Wolf übertreibt, da er die Geißlein einfach so schluckt – er hat zuerst gute Laune – dann kriegt er Bauchschmerzen – das freut die Ziegenfamilie.

Stellen Sie sich zwei Mäuse vor, die einen Bischof weihen und zwei Schnecken die einen wilden Löwen zur Strecke bringen. Es muss gar kein wilder Löwe sein. Wenn ein Reh einen Jäger vor sich herscheucht bis ihm ein Hase ein Bein stellt, kann man die Fische vor Lachen wiehern hören, bis Honig von einem Tal auf einen hohen Berg fließt. Schadenfreude ist die schönste Freude. Heißt es. Dem kann ich mich nicht ganz anschließen.

Es ist viel schöner sich mit dem frisch gebackenen Schwan mitzufreuen. Lachen ist gesund und Lächeln erspart auf die Dauer ein paar Arztbesuche, vom Internisten bis zum Psychiater. Ich glaube aber, dass Lachen auf Kosten eines anderen, außer er kann herzhaft mitlachen, auf lange Sicht für Bauchschmerzen sorgt, den Weg zum Psychiater ebnet und man sich schneller als geplant die Radieschen von unten ansehen muss. Man lasse sich also keinen Bären aufbinden, außer man sieht eine rote Kuh, die Brot in den Ofen schießt und zwei Kinder die zwei Zicklein werfen. Dann ist die Bühne frei für Mutter Ziege und die hat eine ganz eigene Art von Humor. Da bleibt nur mehr eines zu tun: Immer lächeln, auch wenn an den Witz nicht versteht, denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Originaltexte