Ideomotorisches Signalisieren

Ideomotorisches Signalisieren

Wenn vom ideomotorischen Signalisieren die Rede ist, wird von nichts anderem als – automatischen bzw. unbewussten Bewegungen und Zeichen, gesprochen. Wie z. B. das Nicken mit dem Kopf oder das Heben eines Fingers. Ideomotorisches Signalisieren ist vielleicht die benutzerfreundlichste hypnotische Form der Kommunikation, die während des vergangenen Jahrhunderts entdeckt wurde. Die Idee der hypnotischen Anwendung, dieses alltäglichen Phänomens, geht auf Milton Erickson zurück.

Wie man, in der Tradition von Erickson, das ideomotorische Signalisieren in eine Hypnosesitzung einführt, zeige ich in folgendem Beispiel. So sollte  auch klar werden, was mit ideomotorischem Signalisieren gemeint ist und wie es zum Einsatz kommt, um die Kommunikation in der Trance zu erleichtern. Ich setzte indirekte Suggestionen ein, die Sie an der Kursivschrift erkennen können. Also wo bewusst – unbewusste Doppelbinden formuliert wurden. 

„Etwas, das jeder weiß, ist dass Menschen mit Worten kommunizieren können oder durch Zeichen. Am gebräuchlichsten ist natürlich, wenn man mit dem Kopf nickt für „ja“ oder „nein“. Wir alle machen das. Wir signalisieren „komm her“ mit dem Zeigefinger oder winken beim Weggehen mit der Hand. In gewisser Weise heißt das Fingerzeichen „ja, komm her“, und das winken mit der Hand heißt „nein, bleib nicht“. Mit anderen Worten, man kann auch Kopf, Finger oder Hand benutzen um „ja“ oder „nein“ zu zeigen. Wir alle können das, und Sie können das auch. Manchmal, wenn wir jemanden zu hören, kommt es vor, dass wir, ohne es zu wissen, mit dem Kopf nicken oder ihn schütteln, um zuzustimmen oder abzulehnen. Genauso einfach wäre es, das mit einem Finger oder einer Hand zu machen. Nun würde ich gern Ihrem Unbewussten eine Frage stellen, die mit einem einfachen „ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann. Es ist eine Frage, auf die nur Ihr Unbewusstes antworten können wird. Weder Ihr Bewusstes noch mein Bewusstes, und in diesem Fall nicht mal mein Unbewusstes, weiß die Antwort. Nur ihr Unbewusstes weiß, welche Antwort es mitteilen kann. Und es wird entweder eine „Ja“ oder „Nein“ Antwort denken müssen. Es könnte Nicken oder den Kopf schütteln oder den Zeigefinger heben, vielleicht den rechten Zeigefinger für ja und den linken für Nein. Einfach nur, weil es so gewöhnlich bei Rechtshändern ist und umgekehrt bei Linkshändern oder die rechte Hand hebt sich oder die linke Hand hebt sich. Aber nur ihr Unbewusstes weiß, was die Antwort sein wird, wenn ich die Ja – oder Nein Frage stelle. Und nicht einmal wir wissen, wenn die Frage gestellt wird, ob es mit einer Kopfbewegung oder Fingerbewegung antwortet, und Ihr Unbewusstes wird diese Frage durchdenken müssen und entscheiden, nachdem es seine eigene Antwort formuliert hat, wie es darauf antwortet.“ 

(Diese Erklärung besteht im Wesentlichen aus einer Reihe von Suggestionen, die so formuliert wurden, dass die Antwort zwangsläufig in Form einer Bewegung erfolgt. Die Person „muss überlegen“ und „entscheiden“, ohne dass von ihr tatsächlich eine idiotmotorische Reaktion gefordert worden wäre. Die Erklärung enthält bloß eine Implikation, und einem, in einen Prozess miteinbezogen werden, können wir kaum widerstehen.)

Wenn dieses ideomotorische Signalisieren, wirklich unwillkürlich und unbewusst ablaufen soll, sollte der Klient entweder in Trance oder abgelenkt sein, um zu verhindern, dass sie auf ihre eigenen Bewegungen achten. Ein Kopfnicken oder schütteln ist dann besonders zuverlässig und ehrlich, wenn der Klient am wenigsten darauf eingestellt ist, sich zu kontrollieren. Es ist überraschend, wie oft Klienten ihre verbalen Aussagen durch Kopfnicken oder Schütteln widerlegen, selbst wenn sie noch nie etwas vom ideomotorischen Signalisieren gehört haben. Oft ist es ein sehr langsames und kaum wahrnehmbares, aber ausdauerndes Nicken oder Kopfschütteln, welches erkennen lässt, dass die Bewegungen von einer unbewussten Ebene kommen. Die Bewegungen sind langsamer, oft nicht vollständig oder werden nur angedeutet und unterscheiden sich ganz deutlich von den Kopfbewegungen, die wir machen, um eine verbale Aussage zu unterstreichen.

Wenn immer möglich, ziehen wir es vor, das natürliche Bewegungs-Repertoire eines Klienten für das ideomotorische Signalisieren zu verwenden. Jede unbeabsichtigte, automatische Bewegung, die ein Mensch während einer normalen Unterhaltung zeigt, sollte beachtet werden. Jede Kopf- und Handbewegung, das Verlagern des Oberkörpers, Fuß- oder Schulterstellung, das Blinzeln mit den Augen (schnell, langsam, oft, selten), das Befeuchten der Lippen, Beinbewegungen, Schlucken, Hinweise wie das Runzeln der Stirn oder Spannungen um Mund und Kinn können als sehr zuverlässige positive oder negative Reaktion auf das, was sie verbal gehört haben, gedeutet werden.

Seit Ericksons Einführung des ideomotorischen Signalisierens haben andere Forscher ( Le Cron, 1954; Cheek und Le Cron, 1968) seine Nützlichkeit bei der Förderung einer Reihe von hypnotischen Phänomenen erforscht. Ein höchst wichtiger Aspekt korrekter hypnotischer Arbeit ist, immer zu wissen, an welchem Punkt sich der Klient befindet. Höchst selten, sprechen Klienten gerne während einer Trance. Sollten sie sprechen, könnten ihre üblichen Muster der Wachassoziationen und -verhalten geweckt werden, welche die autonomen Aspekte der Tranceerfahrung unterdrücken würden. Ideomotorisches Signalisieren scheint ein Reaktionssystem zu sein, das autonomer als Sprechen funktioniert, was es zu einer effektiven Art der Kommunikation während der Trance machen kann. Für Klienten in Trance scheint es einfacher zu sein einen Finger oder eine Hand zu bewegen, als zu sprechen. Sie scheinen die Trance, als veränderten Zustand anzuerkennen, sobald ihre ideomotorischen Signale, scheinbar völlig, ohne ihr Zutun, einfach spontan passieren.

In der Praxis gibt es viele mögliche Verbindungen zwischen Bewusstsein, Willensäußerung und ideomotorischen Signalisierens. Anfänglich wissen oder fühlen die meisten Menschen, welche Bewegung gleich stattfinden wird. Was sie verunsichert. „War die ideomotorische Bewegung wirklich autonom oder habe ich nachgeholfen?“

Je länger und tiefer die Trance wird, umso mehr nimmt die Bewusstheit der Bewegungen ab, wodurch sie eher als wirklich autonom akzeptiert werden. Befindet sich der Klienten, bereits in einer Trance, ohne sich darüber im Klaren zu sein (gewöhnliche Alltagstrance, in der die Aufmerksamkeit gefesselt und konzentriert ist, sodass die Umgebung ignoriert wird, z. B. wenn man, einem interessanten Sprecher zuhört, ein Buch liest oder in einen Film vertieft ist), entstehen ideomotorische Bewegungen autark und dadurch völlig überraschend. Diese Personen sind davon fasziniert und fragen sich, welchen Charakter die Antworten durch diese Reaktionen haben, da die ideomotorische Bewegung offensichtlich kommt, bevor sie die Antwort kennen. Die Erfahrung zeigt, dass viele Menschen, eine sogenannte ideomotorische Reaktion wie z.B. ein „Jucken“, „Prickeln“, „Wärme“ oder irgendeine andere Reizempfindung im Finger spüren, bevor er sich bewegt.

Eine unkritische Sicht, des ideomotorischen Signalisierens, nimmt solche Bewegungen als die ungeschminkte Reaktion des Unbewussten, wahr. Dies ist nicht nur in der Trance der Fall, sondern kommt auch im Alltag vor, wenn sich jemand unbewusst selbst widerspricht. (Muss nicht immer eine Lüge sein) z.B. wenn man „ja“ sagt, aber mit dem Kopf schüttelt. Solche Widersprüche können als zuverlässiges Zeichen für einen inneren Konflikt gedeutet werden. Motorische Signale sind, auch unter Hypnose, deswegen als sehr zuverlässig zu deuten, da wir diese unbewusst im Alltag ständig benutzen.

Übungen mit ideomotorischen Signalisieren

1. Machen Sie sich mit den Gedankenleseexperimenten des 19. Jahrhunderts vertraut oder den spiritistischen Phänomenen wie Tischrücken, dem Ouijubrett (Bramwell, 1921) oder dem Chevreul-Pendel (Weizenhoffer, 1957). Viele der sogenannten okkulten und Psi-Phänomene können als unwillkürliche Muskelbewegungen, ideomotorische und ideosensorischen Reaktionen, die unbewusst gesendet und empfangen werden, gesehen werden.

2. Sehen Sie alle Formen, der scheinbar unwillkürliche Muskelbewegungen, als eine Art des ideomotorischen Signalisierens, im täglichen Leben. Achten Sie darauf, wie Menschen unbewusst ihren Kopf schütteln oder nicken, Hände, Finger oder Lippen bewegen. Im Besonderen dann, wenn Sie in einen inneren Dialog vertieft sind. Lernen Sie, Füße und Gesichter zu lesen. Besonders die Mikro- bzw. Makrobewegungen der Muskulatur im Gesicht, die Veränderungen in der Gefühlswelt bzw. Stimmung widerspiegeln, zu erkennen und richtig zu deuten. Nehmen Sie Körpersprache als das wahr, was sie ist, eine äußerst zuverlässige Form der nonverbalen Kommunikation.

3. Überlegen Sie, wie Sie durch ideomotorisches Signalisieren auf völlig natürliche Weise mit ihren Klienten, während der Trance, kommunizieren können. Gehen Sie dabei unbedingt auf die Individualität jedes Klienten ein. Was nicht passt, wird nicht funktionieren. 

4. Lernen Sie, Suggestionen zu formulieren, sodass der Patient ideomotorische Signale geben wird, wenn eine innere Reaktion (Wärmeerlebnis, Anästhesie, Halluzinationen usw.) erlebt worden ist. Diese automatischen Bewegungen können z. B. mit implizierten Direktiven kombiniert werden, wodurch man über ein Kommunikationssystem verfügt, welches in hohem Maße klassische hypnotische Phänomene fördern kann. Was maßgeblich für den Erfolg der Sitzung beiträgt.

Quellen:

Erickson, Milton, Rossi, Ernest und Sheila; Hypnose

Navarro, Joe: Menschen lesen

 

Ideomotorisches Signalisieren