Wünsche erfüllen- Was haben die Geschichten vom Liebespaar, die Bremer Stadtmusikanten und Brüderchen und Schwestern gemeinsam?

Musik

Auf den ersten Blick nicht einmal den Autor. Das Liebespaar stammt aus der Feder von Hans Christian Andersen und die beiden anderen Märchen von den Gebrüder Grimm. Aber wie das Märchenleben so spielt, beginnt es mit „Es war einmal …“

Es war einmal eine Kiste in der ein Kreisel, ein weiß glitzernder Ball, ein blau roter Zinnsoldat, ein schwarzes Holzpferd und noch 10 andere Spielsachen wohnen. Jeden Abend kommen alle Spielsachen wieder fein säuberlich in die blau lackierte Holzkiste. Es soll ordentliche Kinder geben. Oder ordentliche Mütter. So kommt es, dass der Kreisel sehr viel Zeit mit dem Ball verbringt und da liegt der Gedanke, zu heiraten, nahe. Zumindest hat sich das der Kreisel so vorgestellt:“Hey, Ball, lass uns heiraten.“ Der Ball fällt nicht einmal Ansatzweise vor Begeisterung aus allen Wolken.

Frauen werden das jetzt verstehen. Männer? Das lassen wir jetzt einmal so stehen. Der erste Heiratsantrag meines Exmannes war so ähnlich. Er lag in seinem Wohnzimmer auf der schwarzen Ledercouch und ich dösend auf dem anderen Teil, gegenüber vom Fernseher. Der Fernseher lief und als mein Ex etwas von „wir könnten heiraten“, schwafelte, musste ich mich nicht blöd stellen, es dauerte auch so gute zwei Minuten bis ich begriffen hatte, dass der Heiratsantrag nicht dem Moderator galt, sondern mir. Nein, ich bin nicht mit den Worten: „Ich bin entzückt“, auf und ab gehüpft und habe auch nicht begeistert in die Hände geklatscht. „Spinnst?“, fasste alle meine Gedanken in der höflichsten Form, die mir damals einfiel, zusammen.

Der Ball in der Geschichte, das Liebespaar, hat noch ein paar andere Argumente auf Lager warum er dieses verlockende Angebot, des Kreisels, beim besten Willen nicht annehmen kann. Erstens ist er etwas Besseres und zweitens fast mit der Taube verlobt. Die gurrt jedes Mal fragend, wenn der Ball bis zum Dach springt, ob sie sich nicht das „Ja“ Wort geben sollten. Es ist so herzerfrischend, jedes Mal, wenn der Ball, in der Sonne glitzernd, gehüpft kommt, und auf Höhe der silbernen Dachrinne kurz innehält, kommt die Taube in einem Höllentempo herbei getrappelt und wirft ein „Heiraten?“, in die Luft. Mehr geht nicht. Die Schwerkraft vereitelt das holde Glück, krallt sich den Ball und ab geht es Richtung Boden. Die Taube folgt der Abwärtsbewegung ihres Lieblings mit dem Kopf und seufzt die Worte: „Dann eben nicht“. So hüpft der Ball 20 Mal vor der Taube auf und ab und verschwindet wieder in der Kiste. Eines Tages, stellt der Kreisel schwer getroffen fest: Der Ball ist weg. Jedoch brannte er nicht, wie allgemein angenommen, mit der Taube durch, sondern steckt in der Dachrinne fest. Und der Kreisel träumt still weiter von seinem Ball. Das Leben des Kreisels nimmt an Bedeutung zu. Er wird vergoldet und der Ball, der verändert sich auch in der nassen, dreckigen Dachrinne. Als sie sich fünf Jahre später wieder treffen, zieht der Kreisel, wie eine Schildkröte, den Kopf ein, um vom Ball nicht erkannt zu werden. Das Leben ist und bleibt gerecht.

Rückblickend besteht unser Leben auch nur aus Geschichten, die mit „Es war einmal“ beginnen, oder mit „Kannst dich noch erinnern?“ Die Zuhörer warten gebannt auf die Geschichte, halten den Atem an und der Erzähler – geht weg. Soll er erzählen: „Es war einmal ein Wunsch?“. Der Wunsch liegt beim Ball in der Dachrinne. „Ich wollte einmal ein Haus“. Eine Geschichte in fünf Worten. Hatte man denn eine Wahl gehabt? Man kann sich schlecht in die Bremerstadtmusikanten verwandeln, in alle vier auf einmal und beim nächsten Fenster hineinbrüllen? Die Polizei wäre sicher schwer beeindruckt, wenn man in glühenden Farben schildert, warum man so einen Aufstand macht. Kleiner Tipp, wenn das Sonderkommando schwer bewaffnet anrückt und man in den Lauf eines HK MP5 Sturmgewehres starrt, sollte man darauf verzichten, sein Anliegen mit fuchtelnden Gesten anschaulich zu untermalen. Da bleibt man doch lieber im Bett liegen und träumt, dass die Polizei, wenn sie schon einmal da ist, die Hausbewohner verhaftet. Sind ja ohnehin Räuber und Bösewichte und zur Belohnung kommt der schöne König oder die liebreizende Königin, erstarrt und weiß gar nicht, wohin mit all der Begeisterung, nimmt einem beim Patschehändchen, rauf aufs weiße Pferd und ab in das Königreich. Hach wie schön. Da hockt man dann in dem zugigen Schloss Baujahr 1409, kein WLAN, kein Handyempfang. Nichteinmal Festnetz oder Fernsehen und kann sich mit dem Koch herumärgern, der nicht versteht, warum man kein Wild isst. Dann taucht auch noch die neidige Verwandtschaft auf und macht einem das Leben zur Hölle.

Nein, lieber nicht. All diese Dinge muss man bedenken und abwägen und befürchten, bevor man sich in Richtung Wunscherfüllung in Bewegung setzt. Alleine das darüber nachdenken ist schon anstrengend und nervenaufreibend genug. Der Kopf liebt es sich, Horrorszenarien auszudenken und das Unterbewusstsein unterstützt das Gehirn mit Anfeuerungsrufen und Schlachtgesängen. Ehe man sich’s versieht, wohnt man im Wald mit seinem Bruder, der in ein Reh verwandelt wurde. Wohlgemerkt, dem Bruder, den man nie hatte. Gut erkannt, Wünsche sind blöd und haben die unangenehme Angewohnheit sich nur bei anderen zu erfüllen. Diese Ungerechtigkeit muss man sich einmal vorstellen! Man findet auch noch ein paar andere Sachen, die man sich vorstellen kann, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Entweder man ergibt sich als alter Esel, seinem Schicksal oder macht sich auf nach Bremen, um unterwegs sein Glück zu finden. Das Unerwartete, wohl bemerkt. Ich kann Ihnen versprechen, dass Sie Ihr Glück finden können. Woher ich das Wissen will? Woher wissen Sie, dass Sie es nicht können? Der Haken an der Geschichte ist, man muss sich in Gang setzten und bewegen.

 

Originaltext

 

Die Silent Geschichte, vom Liebespaar, schickt Sie nicht auf den Weg oder geht den Weg für Sie. Diese Geschichte lässt sie ruhig werden, lässt sie ihre innere Stimme hören, gibt Ihnen Vertrauen und die innere Sicherheit, dass Sie Ihr Ziel, welches das auch immer sein möge, erreichen werden. Ohne dem geht es nicht. Es geht darum, im richtigen Moment einen auf Bremer Stadtmusikant machen zu können. In Ruhe und Zuversicht den richtigen Moment, jeden einzelnen, zu erkennen und zu nützen, bis Sie mit der Siegesfahne in der Hand, durchs Ziel laufen und feststellen, dass es erstaunlich einfach war. Vom Aufgeben zum Durchhalten