Jetzt ist die Welt eine andere. Der Wind spielt sanft mit den Blättern, die mit einem leisen Rascheln, den Grashalmen zuwinken die zwischen weißen Gänseblümchen wohnen, und mit einem dankbaren Lächeln ihre Gesichter den Sonnenstrahlen zu wenden. Heute gibt es regen, manchmal blitzt und donnert es und stürmisch tanzen die Schneeflocken auf meiner Nase und auch Kälte lässt meine Finger manchmal lieb grüßen.

Es gab auch eine andere Zeit, die hin und wieder schemenhaft durch den Nebel der Erinnerung starrt. Still, totenstill waren diese Jahre gewesen. Kein Vogel zwitscherte, kein Grashalm rührte sich, die Gänseblümchen waren verschwunden, die Sonne versteckte sich kraftlos, hinter dem Horizont sogar meine Schuhe hatten verlernt, dem grauen Asphalt unter meinen Füßen ein paar Töne zu entlocken. Meine Gedanken waren leise geworden, verstummt, als hätten sie zu denken aufgehört. Bis auf einen. Den letzten: „Dann kannst du dich endlich umbringen.“ Dieser Gedanke, meine Hoffnung, die Sicherheit, dass dies alles enden würde. Dieser Strohhalm, der immer da war, wenn ich nicht mehr konnte.

Auch an diesem Tag im Mai sah ich meinen Schuhen dabei zu, wie sie sich bewegten. Monoton, gleichmäßig, leise, nicht vorhanden und doch da. Wie dieser Schatten. Es war nicht meiner, denn der lag ruhig vor mir. Es war der Schatten einer Löwin, die sich nach Katzenart, unhörbar von hinten an mich herangeschlichen hatte. Eine Löwin, die beschlossen hatte, ausgerechnet mich, völlig unerwartet zu beschützen. Löwinnen beschützen und verteidigen immer wieder, auch artfremde Jungen gegen andere Löwen und zwingen diese klein beizugeben. Das kommt öfter vor, als man annehmen möchte. Es war der Moment, als sich ihr Schatten unter meinen mischte, als unsere Schatten zu einem verschmolzen, der den Asphalt unter meinen Schuhen zum Klingen brachte, der den Wind zärtlich aufweckte und ich konnte sie hören, die Blätter, die sich raschelnd streckten, um den Grashalmen einen guten Morgen zu wünschen und mein Lächeln, holte die Sonne zurück in diese unbekannte Welt.