Probleme regen mich maßlos auf – was kann ich dagegen tun?

Probleme regen mich maßlos auf –

was kann ich dagegen tun?​

Möchten Sie bei mancher Ihrer großen Problemen eine Art Zauberstab besitzen, mit dem Sie die „Elefanten“ des Problems sofort in eine „Mücke“ verwandeln können? Nun, den „Zauberstab“ gibt es. Ich nenne ihn das „Relativitäts-Prinzip der Psyche“.

Was meine ich damit:

Alles, was uns normalerweise ärgert, egal ob Probleme oder Situationen, sehen wir immer in Bezug zu unserem Weltbild und unseren Zielen. Mit anderen Worten: Umso größer unsere Ziele sind, desto kleiner scheinen die Probleme zu sein. Und umgekehrt.

Wenn jemand ein mittelfristiges Zwei-Jahres-Ziel verfolgt und er verliert durch die Unfähigkeit eines anderen 10 Minuten, dann wirken diese – in Relation zum Zwei-Jahres-Ziel kaum bedeutend. Der Impuls, es demjenigen, der den Zeitverlust verschuldet hat, heimzuzahlen, wird vermutlich ausbleiben. Verfolgt jemand jedoch ein kleines Zwei-Stunden Ziel, dann wirken 10 verlorene Minuten natürlich dramatisch. Dementsprechend heftig kann nun seine Reaktion ausfallen.

Und Sie? Wie dramatisch wirken kleine Fehler, Pannen und Schwächen Ihrer Mitmenschen auf Sie? Und wie reagieren Sie demzufolge, wenn etwas schiefgeht? 

Oder denken wir an eine Beleidigung: Angenommen, eins meiner großen Ziele lautet: Ich möchte meine Fähigkeiten optimal nutzen und den Menschen, mit denen ich Kontakt habe, auch Lesern und Hörer, dabei unterstützen, ihre eigenen Stärken bewusst wahrzunehmen und auszubauen. Nehmen wir weiter an, dass mich jemand beleidigt. Setze ich diese Beleidigung in Bezug zu meinem übergeordneten Ziel, dann stelle ich mir die folgenden Fragen: „Bringt es mich meinem Ziel näher, wenn ich ihm jetzt sage, dass er ein Idiot ist?“ Bringt es ihn als Mensch weiter, wenn ich selbst angreife? Wohl kaum.

Sie sehen also, wie das Relativitäts-Prinzip der Psyche funktioniert: Je größer Ihre Ziele, desto kleiner erscheinen Ihnen die Probleme auf dem Weg dorthin. Das ist ein Aspekt. Doch es gibt einen zweiten, der hilfreich sein kann, mit Unerfreulichkeiten fertigzuwerden. 

Normalerweise ist uns nämlich nicht bewusst, wie stark unser Weltbild von unserem spezifisch menschlichen Zeitempfinden abhängt. 

Würde jeder Mensch 15 000 Jahre leben, würden wir bestimmte weltweite Veränderungen ungefähr genauso bewusst miterleben, wie wir die Jahreszeiten wahrnehmen. Hätten wir hingegen nur Stunden oder Tage, dann wäre bereits eine einzige Jahreszeit für uns ein unfassbares Konzept! 

Deshalb kann es hilfreich sein, für unvorstellbar große oder kleine Zeiträume Denk-Bilder zu schaffen. Insbesondere, wenn Sie glauben, riesige Probleme zu haben. Die meisten Elefanten-Probleme werden nämlich zu Mücken (zwar lästig, aber klitzeklein und selten tödlich), wenn man sie in den Rahmen des kosmischen Geschehens stellt …. 

Das Relativitäts-Prinzip der Psyche besagt, dass alle Aspekte unseres Lebens immer relativ zu etwas gesehen und gewertet werden müssen. 

Hastet ein Mensch von Miniziel zu Miniziel, so wird alles Negative als relativ schlimm erfahren. Gleichzeitig hat er aufgrund seines ständigen Energieverschleißes keine Kraft mehr, den Humor einer widrigen Situation erkennen zu können. Er ist immer bemüht, die nächsten zwei, drei kleinen Zwischenziel auf seinem Weg nach nirgendwo zu erreichen. Somit wirkt jedes Steinchen, wie der Mount Everest auf ihn, jedes amüsierte Lächeln eines Mitmenschen wie Hohngelächter. Jede kleine Kritik wird zum Frontalangriff, weswegen er auch relativ schnell mit Kanonen auf Spatzen schießt.

Es liegt also an uns, wie wir die Welt erleben wollen. Wir können uns über jede Kleinigkeit aufregen; dann haben wir zumindest eine Beschäftigung … Oder aber wir können uns für ein großes Ziel entscheiden, einen übergeordneten Grundsatz für unser Leben. In dem Augenblick, da wir dies tun, wird die Welt anders auf uns wirken: Wir gewinnen Distanz! Wir können auch in negativen Situationen noch Positives entdecken. Ein wesentlicher Vorteil fast jeder Stresssituation ist der eingebaute Lerneffekt.

Lieber heute ein wenig Lehrgeld zahlen als später viel mehr. Wenn es mir gelingt, aus dem Heute eine Lehre zu ziehen, wird alles Negative relativiert und verliert an Schärfe.

 Ich fand folgende Idee sehr hilfreich. Man kann es als Vertrag sehen, den man mit sich selbst schließt. Es ist enorm hilfreich, diesen Vertrag öfter bewusst durchzudenken.

 

Vertrag

Ich weiß, dass es keine objektive Wahrnehmung geben kann; weder auf dem subatomaren Niveau noch in der normalen Größenordnung meiner Welt.

Daher kann ich wählen: Statt (unbewusst) durch die dunkel gefärbte Brille meiner Stress-Hormone zu blicken (die alles schlimmer wirken lassen), habe ich mich ganz bewusst entschlossen, meine Wahrnehmung zu positiveren, da ich alles in Bezug auf meinen Grundsatz, meine Ziele und meine Interessen setzen werde.

Wahrnehmen heißt immer auch, die Welt erschaffen. Daher wähle ich bewusst, ob mir viele Elefanten oder viele Mücken begegnen werden. 

Probleme regen mich maßlos auf – was kann ich dagegen tun?