Menschenkenntnis

Die persönlichen Raumzonen

Beobachten Sie einige Tage lang ganz bewusst, wie Menschen mit dem Raum, der sie umgibt, umgehen. Wir lassen nämlich nicht jeden Menschen gleich nahe an uns heran und ärgern uns über Leute, die unsere „Raumzone“ nicht respektieren, denn hier gelten ungeschriebene Gesetze. 

Um über die Distanz, die uns von anderen trennt, sprechen zu können, teilt man den Raum, der uns umgibt, in vier Zonen: 

1. Intimzone: 

Die Engländer nennen sie auch „bubble“ („Blase“): Diese „Blase“ umgibt uns wie eine zweite Haut. In ihr fühlen wir uns sicher. Personen, die unsere Intimzone nicht betreten dürfen, halten wir uns zirka eine halbe Armlänge „vom Leibe“. Die Bedingung, unter der wir jemanden freiwillig in unsere Intimzone eintreten lassen, ist Vertrauen. Was aber nicht bedeutet, dass wir jemanden, dem wir vertrauen, immer in unsere Intimzone hineinlassen. Das Schlüsselwort ist „freiwillig“. Wer die Intimzone eines anderen missachtet, missachtet gleichzeitig die Person. Je mehr es uns stört, wenn jemand unsere Intimzone ungebeten betritt, desto mehr Kampfhormone produzieren wir. Wir „schalten“ innerlich auf Abwehr um: Wir lehnen uns zurück bzw. treten einen Schritt zurück (Flucht) oder treten dem anderen entgegen und behaupten uns (Kampf). 

Wobei das Zurücknehmen der dominanten Schulter (Rechtshänder/Linkshänder) und das Zurücksteigen mit dem dominanten Bein (Rechtshänder: Rechtes Bein; Linkshänder: Linkes Bein) und wenn es nur 5 cm sind, schon das innere Vorbereiten auf einen Kampf ist. 

2. persönliche Zone: 

Hier lassen wir freiwillig all jene Personen hinein, mit denen wir nicht so intim sind, dass sie unsere Intimzone betreten dürfen, die uns aber auch nicht so fremd sind, dass sie in unserer nächst weiteren Zone verbleiben müssten, also gute Freunde, Familienmitglieder, Kollegen, mit denen uns ein herzliches Verhältnis verbindet, sowie all jene Mitmenschen, mit denen wir gut und gerne kommunizieren. 

3. Die soziale Zone: 

Sie ist für soziale Kontakte oberflächlicher Art reserviert, z.B. für Bekannte, manche Kollegen, die meisten Chefs. 

4. öffentliche Zone: 

Damit ist der Abstand gemeint, den z.B. Lehrer (Redner) von seiner Klasse (Publikum) hält. Um noch einmal auf die Frage zurückzukommen: Es wird Sie immer stören, wenn Kollegen, die sich in Ihrer sozialen Zone aufhalten müssten, unbewusst in Ihre persönliche Zone eindringen, oder wenn Kollegen, denen Sie die persönliche Zone erlauben würden, in Ihre Intimzone eindringen (z.B. beiläufige Berührungen) 

Um niemanden zu Nahe zu treten und bei einer Person die Sie gerade kennenlernen kein schlechtes Gefühl auszulösen, hat sich folgendes bewährt: Wenn Sie der Person zur Begrüßung die Hand geben, kommen Sie der Person bewusst ein bisschen zu Nahe und machen Sie dann einen Schritt zurück. Die Person wird entweder, den Abstand so beibehalten oder die Distanz zu Ihnen verringern. Auf diese Weise überlassen Sie es Ihrem Gegenüber, den passenden Abstand zu wählen. Achten Sie darauf, dass Sie sich selbst auch noch wohlfühlen. 

Und noch eine Bemerkung am Rande: Frauen sind besonders empfindlich, was die Verletzung des persönlichen Raumes betrifft.