Kraftsätze im Wingtsun

Mache dich frei von deiner eigenen Kraft!

Mache dich frei von der Kraft des Gegners!

Verwende die Kraft des Gegners gegen ihn selbst!

Füge zur gegnerischen Kraft deine eigene hinzu!

Als ich diese Sätze das erste Mal gelesen habe, dachte ich mir nur:” Was soll ich?” (Wie immer: meine Sicht der Dinge)

  1. Mich von meiner eigenen Kraft zu befreien habe ich mir nicht schwer vorgestellt, denn ich habe ja keine. Dachte ich. Und ja, ich habe wirklich nicht viel davon. Trotzdem neigt man dazu, und da bin ich nicht die große Ausnahme, die Techniken mit Kraft zu machen. Man versucht z. B. bei einer Armbefreiung, doch mit Kraft vorzugehen. Was kontraproduktiv ist und Kraft braucht. Es ist nun einmal so, dass Kraft Gegenkraft erzeugt. Versuche ich etwas mit Kraft, wendet der Gegner automatisch auch mehr Kraft auf. Was die Lage für körperlich unterlegene, wie die meisten Frauen und auch Kinder, enorm verschlechtert. Oder umgekehrt: wendet der Gegner mehr Kraft auf und versuche ich, mit mehr Kraft zu antworten, ziehe ich auf jeden Fall den Kürzeren. (Ich bin 162 cm groß und wiege 44 kg) Wendet man die Technik genau und richtig an, braucht man absolut keine Kraft. Sich von seiner Kraft zu lösen bedeutet aber auch entspannt zu sein und biegsam zu sein.
  2. Der Teil fällt mir am allerschwersten. Ich weiß nämlich, dass mein Gegner auf jeden Fall mehr Kraft hat als ich. Daher neige ich dazu, aufzugeben, bevor ich noch angefangen habe. Nur darum geht es hier wahrscheinlich nicht. Sicher, man soll sich nicht beeindrucken lassen. Vor allem sollte man sich auf kein Kräftemessen einlassen. Viel wichtiger ist, zu spüren, was der Gegner mit seiner Kraft vorhat. Denn dann kann man
  3. die Kraft des Gegners gegen ihn selbst verwenden. Wenn man sich Kraft als Energie oder Schwung vorstellt, bedeutet das nichts anderes, als, dass man Energie umleitet.
  4. Füge der Kraft des Gegners deine eigene hinzu. Ich habe bei diesem Satz immer folgendes Bild vor Augen. Was nur am Rand mit Wingtsun zu tun hat. Stell dir vor, jemand rennt auf dich zu. Bevor er in dich hineinrennt, machst du einen Schritt zur Seite und gibst ihm von hinten einen Stoß. Die Wahrscheinlichkeit, dass derjenige auf seiner Nase landet, ist groß. Warum? Die Kraft, die er aufgewandt hat, um auf dich zuzulaufen, hast du durch den Stoß von hinten verstärkt. Da brauchst du gar nicht viel Kraft aufzuwenden. Im Wingtsun gibt es auch das Ziehen am Arm des Gegners. Wenn der Arm, z. B. weil dich der Gegner schlagen möchte, schon in der Vorwärtsbewegung ist und du daran ziehst, verstärkst du die Vorwärtsbewegung des Gegners. Es wäre nur schlau, wenn du vorher ausweichst, dann kannst du allerdings mit einem Lächeln dabei zusehen, wie sich dein ganzer Gegner in Bewegung setzt und dir so nebenbei wunderschön in deinen Schlag läuft.
Kraftsätze im Wingtsun